Europol startet Entschlüsselungsplattform

Untergang der virtuellen Privatsphäre?
Stand: 9. Januar 2021

Ein dreijähriges Entwicklungsprogramm zur Entschlüsselung von „rechtmäßig erhaltenen Daten“ wurde vergangenen Monat fertiggestellt. Diese Fertigstellung feierten nicht nur Mitarbeiter von Europol, es waren auch das EU-Parlament und der Ministerrat zur virtuellen Zeremonie geladen.

Bei dem Projekt von Europol handelt es sich um eine Entschlüsselungsplattform, mit der sich die Ermittler aller Mitgliedsstaaten künftig unter „uneingeschränkter Wahrung der Grundrechte“ Zugang zu verschlüsselten Daten verschaffen wollen.

EU Kommission lässt sich die Entschlüsselung Millionen kosten

Betrieben wird diese Entschlüsselungsplattform vom Europäischen Zentrum für Cyberkriminalität (kurz EC3) von Europol. Diese Stelle wurde 2017 mit 86 neuen Mitarbeitern besetzt und erhielt 2018 eine Anschubfinanzierung von erneut fünf Millionen euro, um das Auslesen verschlüsselter Inhalte zu verbessern.

Wie diese Plattform genau funktionieren soll und mit welchen Mitteln sich die Initiative Zugriff zu den gewünschten Daten machen wird, wurde auf Nachfrage nicht kommentiert. Jedoch gab die Bundesregierung bereits im Frühjahr 2020 zu verstehen, dass Mitarbeiter dieser Entschlüsselungsstelle bereits mit einem kontextbasierten Ansatz zur gezielten Entschlüsselung experimentieren würden (aus dem Englischen: „Context Based Approach for Targeted Decryption“). Ein softwaregestützter Prozess der hardwareseitig auf genannter Plattform läuft.

Mit Staatstrojanern an sensible Nutzerdaten?

Bekannt ist auch, dass Europol längst auf der Suche einem geeigneten Staatstrojaner ist, um verschlüsselte Messenger-Dienste wie WhatsApp, Telegram, Threema oder Signal sowie damit geführte VoIP-Telefonate abgreifen und entschlüsseln zu können.

Neue Richtervereinigung appeliert gegen die Opferung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Auch die Neue Richtervereinigung möchte die Vorhaben nicht kritiklos hinnehmen. In einer Pressemitteilung vom 15.12.2020 appelieren die Juristen an das Europäische Parlament, End-to-End Encryption nicht an Sicherheitsbehörden zu opfern. Mit den erwünschten Hintertüren von Europol & Co. würde eine solche Verschlüsselung nicht nur kategorisch für alle entwertet werden, die berufsbedingt auf diese vertrauen müssen (Anwälte, Journalisten, Aktivisten, Whistleblower und Unternehmen), sie sind auch nicht adequat für die Bekämpfung von Kriminalität.

„Wird die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufgeweicht, erhalten die Behörden einen Generalschlüssel zu sämtlichen Messengerdaten der Bevölkerung“ – Justizministerin Katja Meier.

„Keine Sicherheit ohne Verschlüsselung“, betonten zudem 155 Kryptographen und IT-Sicherheitsexperten aus Staaten wie Frankreich, Österreich, Belgien und Dänemark in einem offenen Brief. Darunter auch einer der Autoren des Verschlüsselungsstandards AES, Vincent Rijmen von der Uni Leuven.

Quelle: https://www.heise.de/news/Crypto-Wars-Europol-startet-mit-Entschluesselungsplattform-durch-4995869.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.rdf.beitrag.beitrag

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